Dienstag, 6. März 2012

ABRAX UND DIE HYBRISPILLEN


ABRAX  UND DIE HYBRISPILLEN

Von Edda Sörensen (Work in Progress - seit 1972...)

 


Mächtig sanfter Blütenduft
Schwebt in weichwarmer Tropenluft
Malerisch und voll der Wonne
Liegt die Lagune in der Sonne
Wogen umspülen sie
Winde befühlen sie
Palmen umschwingen sie
Vögel besingen sie

Ein Donner - ein Flugzeug-schnell wie der Schall
Wirft etwas ab - ein gigantischer Knall
Der Schock lässt gar die Winde schweigen
Das Meer erbebt, Rauchwolken steigen
Rasend, wirbelnd, wütend, tobend
Wie ein Pilz senkrecht nach oben
Natura reibt sich verblüfft die Augen:
Das ist ja wirklich kaum zu glauben!
Nun knüpf ich mir den Abrax vor
Diesen hirnverbrannten Tor!“

In der grössten der Städte irgendwo
Sitzt Abrax Schmax in seinem Büro
Da kommt sie, Natura, durchs Fenster gefegt
Und ist, er siehts, sehr aufgeregt
Sie packt ihn an seiner Designerkrawatte:
Jetzt reichts mir aber, ganz ohne Debatte!
Deine faulen Sprüche kannst du dir sparen
In dich ist wohl der Wahnsinn gefahren
Willst du, darüber gäbs was zu verhandeln,
die Erde zur Sternschnuppe verwandeln?“

Hastig sucht Abrax in seiner Hose
Die megamagic Drogendose
Er fingert nach der grünen Pille
Schluckt sie – erlöst- in ihm herrscht Stille
Komm setz dich – es ist schon phänomenal
Ihr Frauen seid einfach zu emotional
Wie ihr über nüchterne Fakten hinweggeht
Über glasklare Logik einfach hinwegseht!“

Deiner glasklaren Logik opferst du viel
Verjagst deine Seele, betäubst dein Gefühl
Verlierst deine Sinne mehr als geschwind
Und bist, man siehts, schon farbenblind.
Schau dich doch um und schau genau
Du umgibst dich nur mit grau
Grau ziehst du deine Bahnen durch die Wälder
Entlang der Haine quer durch Felder
Grau sind deine Türme aus Metall und aus Eisen
Die erfand gewiss nicht der Kopf eines Weisen
Grau ist sie, die Scheibe mit dem Leben von fern
Durch sie beherrschst du unsren Stern
So fallen deine Untertanen
Zusehends schneller aus dem Rahmen
Blind vergiften und plündern sie mein Reich
Ja glaubst Du denn, das wär mir gleich?
Kaum war dein rationaler Wahn geboren
Hast du den Überblick verloren
Du glaubst dich allmächtig – nur
Unterschätzt du die Gaben der Natur.
Um dir nur ein Beispiel zu geben:
Hast du`s vergessen? Es ist das Leben!“

Ein Computer, der dritte von oben
Fängt wie auf Kommando an zu toben
Er springt auf, versucht ergeben
Erst diesen Schaden zu beheben

Du siehst es doch - auch ich hab Sorgen
Verschieben wir unser Gespräch auf morgen!“
Er hat ja BWL studiert
Da wurde es ihm antrainiert
Nie! Niemals in seinem Leben
Einen Fehler zuzugeben
Und eh er sich so recht gefangen
Ist Natura schon gegangen
Sie ruft - schon kommt er angerannt
Schneeweiss - geschmückt, ihr Elefant
Ganz majestätisch trabt das Tier
Auf seiner Stirn strahlt ein Saphir

Tief im Wald , unter neun weisen Tannen
Ruft sie dann alle Winde zusammen
Lässt sie, mit einer Botschaft versehen,
Rund um den Planeten wehen
So macht die Hiobsbotschaft die Runde
Bis zu den Hibiskusblüten in Jaunde
Hoch in den Alpen, das Zittergras
Wird um die Nase richtig blass
Und die Schlüsselblumen liessen
Ihren Kummer in Dufttränen fliessen
Mandelbäume voll in Blüte
Wispern nur: Du meine Güte!
Dem Mangobaum beim Tempel Ankor
Raunt die Botschaft ganz leise ins Ohr
Um die Soldaten nicht zu wecken
Die sich dort in den Ruinen verstecken
Doch bei Mururoa, die lachsrosa Korallen
Finden an der Botschaft begeistert Gefallen
Denn seit Jahren wird ihr idyllisches Wohnen
Erschüttert von Wahnwitz-Atomexplosionen

Am nächsten Morgen, rund um die Welt
Hat die Sonne Strahlenleitern aufgestellt
Und sämtliche Tiere, sogar Elefanten
Die Rose mitsamt ihren Blumenverwandten
Und Bäume – zuallererst die Linden
Klettern dran hoch, bis sie verschwinden
Abrax ist so wütend, dass es fetzt:
Hab ich mich denn glatt in die Nesseln gesetzt?“
Oh nein, denn auch die sind ganz gediegen
Auf die Leitern - weggestiegen

Er schluckt gleich drei Pillen, unterwegs zur Fabrik
Und lässt sie ersetzen, Stück für Stück
Blumen, Gras, Bäume, aus Plastik fabriziert
So scheint ihm das Malheur vorerst repariert
Und damit die Menschen bloss nichts merken
Verbannt er Naturforscher mitsamt deren Werken
Dann greift er wieder zur Pillendose
Und kreiert die Königin der Blumen, die Neurose

Bald herrscht unter den Menschen eine neue Sucht
Jeder will seine eigene Neurosenzucht
Nur Creme der Gesellschaft beginnt zu versauern
Sie wollen was bess`res als Arbeiter und Bauern
Also grübelt der Abrax, denkt nach und studiert
Ach ja, eine Pille hab ich noch gar nicht probiert!“
Die neongrüne mit dem Punkt
Kaum geschluckt, hats schon gefunkt
Es flitzt durch sein Hirn die Superidee:
Na klar, was sonst – die Orchidee!
Er schafft sie aus neuem Vynil nit Gehoia
Von der Nebenwirkung Paranoia
Hat er leider keine Ahnung
Denn er liest sie nicht, die Mahnung
So schnell gehudelt, gestresst, voll in Eile
Vergisst er sogar: Gut Ding braucht Weile

Das Werk vollendet schaut er sich dann
All seine Orchideen an
Er als Herrscher kann es sich leisten
Er hat die grössten und die meisten. 
Völlig erschöpft schläft er dann ein
Wie könnte es auch anders sein
Er findet sich im Dschungel wieder
Hinter jedem Baum ein Tiger
Und die Bäume sind behangen
Mit hungriglangen Riesenschlangen
Feucht ist es, heiss und ganz schrecklich grün
Und nirgends ein Ausweg, um zu fliehn
Sein Herz, es pocht ihm schon in den Ohren
Er weiss nur eins:“Jetzt bin ich verloren!“
Unsäglich die Panik und der Schreck
Er war wie gelähmt, kam nicht vom Fleck
Der Schreck hat ihn fast umgebracht
Und davon ist er aufgewacht

Er springt auf, mitten ins stockfinster verhangene Zimmer
Seine Knie sind ganz weich, sein Herz pocht noch immer
Ganz verwirrt und benebelt in seinem Kopf
Tastet er sich vor  bis zum Rolladenknopf
Das Licht des Morgens durchflutet den Raum
Nun wirds  ihm klar, ein Traum wars im Traum
Die Bäume, so echt wie sie gestern gewesen
Und schon ist Abrax vom Schock fast genesen

Er legt sich ganz glücklich wieder in sein Bett
Sein Butler erscheint mit dem Frühstücktablett
Kaffee und Croissants, eine duftende Rose
Daneben, wie immer, die Pillendose.

Copyright: Edda Sörensen









Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Episch

Gruß ray

Anonym hat gesagt…

Dem schliess ich mich an - wouw! Sie sind ja ein Multitalent, warum hört man in der Kunstszene wenig bis nichts von Ihnen? Versteh ich überhaupt nicht.
Ich jedenfalls gratuliere Ihnen: Zu Ihren leuchtenden Aquarellen, Ihren hervorragend geschriebenen Geschichten - Reise ins Morgenland - und zu diesem Gedicht. Freue mich sehr diese Seite entdeckt zu haben.

Grüße Raphael

Edda Sörensen hat gesagt…

Oh, danke Raphael. You made my day :)