Dienstag, 4. August 2015

Die griechische Tragödie

 

Brillianter Essay, rund um ein Telefongespräch mit Yanis Varoufakis. Das mit Abstand beste, das ich bisher zum Thema Griechenland gelesen habe. Nach dieser Lektüre versteh ich nun endlich den Kern der griechischen Tragödie
 

Einige der wichtigsten Passagen hab ich zusammengefasst und aus dem Englischen übersetzt: 

 

   In Varoufakis Augen ist die unfassbare Brutalität der Sparmassnamen Teil eines politischen Spiels der Europäischen Kommission. Es hat zum Ziel anderen Mitgliedsländern Angst einzujagen. So wird Griechenland nicht so sehr als Sündenbock benützt, eher "als des Reiters lauter Peitschenknall  den der Esel hören soll, damit er pariert." (Griechisches Sprichwort)
Diese glasklare Strategie soll Rom und allen voran Paris Konzessionen abringen, um den Schäuble-Plan, ein diszipliniertes, teutonisches Eurozonen-Modell, aufzubauen.

 

    Varoufakis bietet eine präzise und überzeugende Darstellung der Fehltritte der Eurozone an, den Wahnsinn  " eine einheitliche gemeinsame Währung zu schaffen, die von einer Zentralbank dirigiert wird, die kein Land  zur Unterstützung im Rücken hat und die Länder haben keine Zentralbank zur Unterstützung im Rücken." 

 

    "Eine Gruppe bestand aus den Finanzministern, die zwar auch nicht an die Austeritätspolitik glaubten.  aber  in der Vergangenheit gezwungen wurden,  sie auf ihre eigenen Bevölkerung mit großen nachteiligen Folgen zu verhängen. Jetzt war diese Gruppe regelrecht von der Aussicht entsetzt, dass wir Erfolg haben könnten. Dann müssten sie nämlich vor ihrer Bevölkerung die Frage beantworten, weshalb sie solche Feiglinge waren. " 

 

Und ich möchte noch die Einsicht von Christian Salmon hinzufügen, ein französischer Schriftsteller und Forscher am  Centre de Recherches sur les Arts et le Langage ( Zentrum der Forschung über Kunst und Sprache)

"Es sind die historischen Momente, die Europa bilden und nicht die Verträge. Die Antwort Brüssels auf das klare OXI aus den griechischen Urnen des 5. Juli  signierte den moralischen Bankrott Europas. Der Euro erscheint nicht mehr als das Tauschmittel zwischen Europäern, sondern als Totem, in dessen Namen die Völker Europas geopfert werden."

 

 

 

 

Kommentare:

Kuddel hat gesagt…

Guten Morgen, ein lesenswertes Interview von Varoufakis ist auch im Stern erschienen: http://stern.de/6368972.html (Hammer-Aussagen!)

Edda Sörensen hat gesagt…

Varoufakis Stern-Interview
Moin Moin Kuddel. Danke für den link - ja, das ist wirklich gelungen- aus dem Text leuchtet die Wahrhaftigkeit geradezu heraus. Schaut ganz so aus, dass sich wenigstens der STERN über die Medienschelte ernsthaft Gedanken machte und dadurch nun endlich wieder heim gefunden hat zum Niveau des alten Stern vor dem Heidemann-Skandal. Ich drück die Daumen, dass dem wirklich so ist. Wäre eine unschätzbare Bereicherung.