Donnerstag, 28. April 2011

REISE INS MORGENLAND 2. Teil

IN  1984 FOLLOW THE BIG BROTHER


Gestern schrieb ich vom Kulturschock und traute mich gar nicht zu erwähnen, dass ich die ersten Tage in Bombay fast immer Tränen in den Augen hatte. Ich konnte mich gar nicht dagegen wehren, fühlte mich so ohnmächtig angesichts der unsäglichen Armut.
Glen beruhigte mich mit:
„Dont worry – you did not start the show“
und ich lernte schnell, nicht den aufdringlichen Bettlern etwas zu geben, sondern jenen, die ganz resigniert vor ihren paar Habseligkeiten auf der Strasse sitzen. Wenn ich einigen  von ihnen  ganz unerwartet 200 Rupien in die Hand drückte, den Gegenwert von 7 DM, konnten die damit fast einen Monat überleben. 
Die Stadtverwaltung hatte Schilder aufgestellt:
 " Gib keinem, der auch arbeiten könnte!"
Oder an der Viktoria Station, dem Hauptbahnhof von Bombay, ein Prachtbau aus kolonialen Zeiten, steht riesig:

"IN  1984 FOLLOW THE BIG BROTHER – HAPPY NEW YEAR"

Was natürlich herrlich zweideutig ist, denn der älteste Bruder hat in indischen Familien eine besondere Autorität. 
Oder auf der Toilette eines ziemlich feudalen Restaurants hatte ein Witzbold an die Wand geschrieben:
 "If god exists, its his problem" 

Vor unseren Ausflügen in die Stadt pflückt mir Glen jetzt immer eine wunderbar duftende Frangipania-Blüte vom Baum . Die kann ich mir vor die Nase pressen wenn wir mit geöffneten Fenstern auf einem der langgestreckten Fly-overs über die Slums fahren. Der Gestank verschlägt mir sonst glatt den Atem, denn ich habe keine bereits daran gewöhnte Bombay-Nase, sondern solch einen feinen Geruchssinn, dass ich zum Beispiel zuhause im Wald schon hundert Meter im voraus die Brennnesseln riechen kann.

Gestern trafen wir im Leopold-Cafe einen jungen, hochgewachsenen Mann aus Tegernsee mit unglaublich naiv drein blickenden hellblauen Augen. Unterwegs nach Goa war er voll auf dem Abenteuertrip, denn er hatte es sich in den Kopf gesetzt, seinen Hund mit nach Indien zu nehmen, einen schwarzweißen Cockerspaniel namens Lionel - kein Hotel wollte ihn aufnehmen, überall: NO DOGS ALLOWED. Er war, noch völlig fertig von der langen Reise, geschlagene drei Stunden mit dem Taxi durch die Stadt gefahren, bis er endlich gegen ein fürstliches Bakschisch eines fand, das ihn samt Hund akzeptierte. 
Er erzählte uns, dass Lionel, kaum aus dem Flughafen draussen, wie gebannt witternd stehen blieb und dann sofort den ersten Gulli anstrebte, wo er seine Nase so fest wie nur irgend möglich auf die eisernen Öffnungen presste, aus denen jener unglaubliche Gestank kam. Er war nur noch mit Gewalt von dem Gulli wegzuziehen, für ihn war das wohl das köstlichste Parfüm von dem ein Hund je träumen konnte. Seither blieb er auch an jeder Strassenecke wie angewurzelt stehen und schnüffelte den Hinterlassenschaften der Bombay-Köter hinterher, das soll ja so was, wie die Zeitung für Hunde sein und so  erfuhr er wohl, was das 'Leben wie ein Hund'  hier bedeutet. 

Der Tegernseer war ganz verzweifelt und balancierte sichtlich am Rande eines Nervenzusammenbruchs, denn absolut nichts funktionierte, wie er es sich vorgestellt hatte. Er wollte eigentlich gleich weiter nach Goa fliegen, aber "NO DOG ALLOWED", dann versuchte er es an den Quais mit dem Dampfer, auch dort "NO DOGS ALLOWED".  Glen gab ihm dann den Tipp, von wo aus der Bus nach Panjim abfährt, die nehmen sogar Ziegen und Hühner mit. Er warf die Arme gen Himmel und liess sich aufatmend in seinen Sessel zurückfallen: "Was für ein Glück, dass ich Euch getroffen habe."

Später schlenderten wir über einen der unzähligen Basars. Ich könnte mich glatt ruinieren, so viele verführerisch schöne, originelle indische Mitbringsel gäbe es zu kaufen. Nicht dieser windige Schrott, den man bei uns üblicherweise findet, nein, bestickte, handgefertigte Schuhe aus Radjestan, fein ziselierte Messingvasen-Krüge-Tabletts, Stoffe aus  handgewebter Rohseide in den leuchtendsten Farben und , da konnte ich einfach nicht widerstehen: eine prächtige 4 Meter lange Tischdecke, mit hell- und dunkelblauen wunderschönen Ornamenten handbestickt  aus weissem, schweren Leinen.  Sie kam aus Kaschmir. Ich stupste Glen sachte in die Seite, während ich sie mir betrachtete und die Qualität überprüfte - das Zeichen, das wir ausgemacht hatten, wenn mir etwas sehr gefiel - und wir wanderten, so uninteressiert erscheinend wie möglich gemütlich weiter. 
"Willst Du sie wirklich?" 
"Ja, ja - unbedingt!" Dann ging Glen alleine zurück zu dem Laden und kam grinsend 15 Minuten später mit dem schweren Paket zurück: er hatte den Ladenbesitzer von umgerechnet 150 DM auf 45 herunter gehandelt. 

Zuhause am Ocean View angekommen, trafen wir auf das nächste Nervenbündel: Glens Schwester, in Tränen aufgelöst. Ihr Mann hat höchstwahrscheinlich eine Affaire und streitet natürlich alles ab. Es ist schon sehr traurig, auch hier mit ansehen zu müssen, wie erniedrigend so eine Situation ist, wenn der Mann nicht mutig genug ist, ehrlich zu sein. Die arme Frau muss gegen Phantome kämpfen und vermutet so überall etwas hinter dem Busch. Sowas kann völlig verwirren und ihr Mann begreift das nicht. Ausserdem ist sie in ständiger Sorge, er könnte Mist bauen. Er verdient sein Leben mit dem Verkauf von Alkohol und das eigentlich gar nicht schlecht, aber manches mal begibt er sich in höllisch gefährliche Geschäfte und schmuggelt grosse Mengen aus Goa, wo Alkohol viel billiger ist als in Bombay – ganze Lastwagen Ladungen voll und darauf stehen drakonische Gefängnisstrafen. Also wenn er mal über Nacht wegbleibt kann es das eine oder das andere sein und die arme Frau dreht halb durch. 
Wir hatten es gar nicht mitbekomen, dass er gestern nicht nachhause gekommen war. June erwähnte morgens beim Frühstück nur,  er sei schon ins Geschäft gegangen, weil sie ihren Bruder nicht mit ihren Problemen belasten wollte. Doch inzwischen war es bereits später Nachmittag und immer noch kein Zeichen von ihm. Ausserdem waren wir um 9 Uhr auf eine Party eingeladen und wenn er nicht mitkäme, dann würde ihr die Gerüchteküche, die hier in Bombay anscheinend besonders phantasievoll eingerichtet ist, voll um die Ohren fliegen. June begann, von Schluchzen unterbrochen, ihrem Bruder das Herz auszuschütten, soviel verstand ich, sonst nichts mehr, da sie plötzlich anfing in Hindi zu sprechen. So fand ich es besser die beiden alleine zu lassen und ging ins Badezimmer.

Ich liebe die indischen Badezimmer: der ganze Raum ist gekachelt und in der Mitte des Fussbodens ein Abfluss. Ein Plastikschemel steht drin und ein grosser Plastikeimer, den man mit warmem Wasser füllt. Dann setzt man sich auf den Schemel, taucht einen Behälter in den Eimer und überschüttet sich, wobei man nach Lust und Laune herumspritzen kann, soviel man will, seift sich ein, shamponiert die Haare und übergiesst sich dann wieder mit Wasser. Das macht richtig Spass bei der tropischen Hitze. Dann ging ich in die Küche und liess mir von Ram Chandar einen Tschai zubereiten. Der alte Hausdiener, der aussieht, wie eine indische Ausgabe von Marthy Feldmann in ein weisses Tuch gehüllt, sagte: Yes, Memsahib“ das ist so ziemlich alles was er auf englisch sagen kann und „oh my goat“ womit er „oh mein Gott“ meint, aber es klingt wie „Oh meine Ziege“. Ram Chandar ist zur Zeit der glücklichste Diener in Bombay, denn Glen hatte ihm eine Armbanduhr mitgebracht, die er nun immer mit weit von sich gestrecktem Arm spazieren führte, wenn er auf den Markt ging, damit auch alle sehen konnten, welch schöne Uhr er besass. 

"Oh my goat“ sagte er, als er mir den gewürzten Milchtee einschenkte und dabei machte er eine Kopfbewegung in Richtung Wohnzimmer, aus dem nun lautes Stimmengewirr drang. Ich verkrümelte mich mit meinem Tschai auf die Dachterrasse einen Stock höher und musste dabei über den in seine Decke gewickelten Gurka steigen, der vor dem Treppenaufgang schlief. Die Sonne war bereits untergegangen, die ersten Sterne leuchteten auf und vom arabischen Meer her wehte eine kühlende Brise den Bombay-Smog weg. 
Kurz darauf kam auch Glen hoch und erzählte, dass Alwin mit seinen dicken Bruder als Zeugen im Schlepptau aufgekreuzt sei. Gestern abend habe die Polizei seinen Laden durchsucht und Alwin dann mitgenommen. Seinem zufällig auch anwesenden Bruder sei es dann erst heute Nachmittag gelungen ihn mit einem ordentlichen Bakschisch und einer Kiste Feni, dem goanesischem Cashew-Schnaps, auszulösen. June glaubte kein Wort und es entstand ein Riesenstreit samt fliegender Untertasse, die June nach Alwin warf und die an der Wand zerschellte. Inzwischen haben sie sich etwas beruhigt und bereiten sich auf die Party vor.

Es war meine dritte Party in Bombay und lief nach dem üblichen Schema ab – hallo – what will you have for a drink? Whiskey, Brandy – Rum? Ein Glas nach dem anderen, Popmusik aus allen Röhren und um sich zu unterhalten muss man seine Stimmbänder wirklich auf die Probe stellen, wieviel sie aushalten. Unterhaltung kann man eigentlich gar nicht sagen. Denn bei diesem Lärm versteht man eh kein Wort – so rufen, schreien, kreischen alle durcheinander – eine Geräuschkulisse, die bei uns zuhause sofort die Polizei aufs Parkett rufen würde. Doch hier beschwert sich keiner, sondern die Nachbarn drehen einfach ihren Fernseher auf volle Lautstärke und wenn dort gerade eine jener Hindi-Musik-Serien läuft, dann ist das Chaos perfekt. Vom Alkohol angefeuert und bei dieser Hitze, da brennen die Sicherungen leicht durch. So zwischen June und Alwin auf dem Weg nachhause. Glen, auch ziemlich angeheitert, sagte irgendwas von: „all Hypocrites“ . Alwin nahm das persönlich und fing wie der Blitz aus heiterem Himmel so zu brüllen an, dass seine Stimme gar nicht mehr mitkam und sich in einem Krächzen überschlug. June hatte auf der Party auf Teufel komm raus mit einem Gast geflirtet- Alwin sah zu und betrank sich und erst im Auto ging er dann hoch. June war schon eingenickt und fuhr nun wie eine Tarantel aus ihrem Schlaf hoch: 
"Ich bin es leid – alle gehen immer auf meinen Bruder los und hacken auf ihm herum!“ Davon hatte ich gar nichts mitbekommen. Jedenfalls ein Wort gab das andere und Alwin wurde so hysterisch, dass er den Wagen mitten auf einem jener Fly-overs über die Slums am Strassenrand mit quietschenden Bremsen anhielt und schrie:
"Alle verlassen auf der Stelle das Auto!"
Da mutierte die sonst so sanftmütige June zur Xanthippe.
 " Gib nicht so an“, schrie sie „ das ist nicht dein Wagen und die Wohnung gehört dir auch nicht. Wenn hier jemand aus dem Wagen steigt, dann bist Du es!"
Nun pflusterte sich Alwins Bruder auf dem Rücksitz auf, wenn das überhaupt noch möglich war, denn er konnte sich eh kaum noch bewegen, so dick war er. Erst bebte sein Schnurrbart, dann brüllte er los: 
"Alwin, komm sofort mit mir, wir steigen aus! Denen werden wir es schon zeigen, wer die Mendonzas sind!!!“ 

Die beiden stiegen aus und schon sass Alwin wieder hinter dem Steuer und fuhr wie der Henker los. Seinen Bruder hatte er einfach mitten in der Nacht auf dem fly-over stehen gelassen. Ich drehte mich um und sah ihn mit wütend herumfuchtelnden Armen kleiner werden. Jetzt hatten wir wenigstens Platz auf dem Rücksitz. 
Zu hause knallte er ihr noch eine, wie  June erzählte, als sie kurz darauf heulend in unser Zimmer kam. Wir brauchten gut eine halbe Stunde, um sie zu beruhigen.

Klar, dass wir am nächsten Morgen lange nicht aus den Leintüchern kamen, erst als Ram Chandar mit einem Tschai anklopfte, wachte ich auf und sagte gleich zum noch verschlafenen Glen: 
„Ich glaub, es ist jetzt höchste Zeit, dass wir nach Goa fahren.“ 
"Genau das war auch mein erster Gedanke! Ich kümmere mich nachher um die Schiffspassagen!“ 
Dann las er die Morgenzeitung und rief:
 "Da schau her, da steht es ganz gross: Costa-Gavras kommt übermorgen zum Filmfestival nach Bombay!“ 
"Da kann mir die Festival-Leitung aber dankbar sein!“ 
Kurz vor der Indien-Reise war ich für meinen Scheidungstermin ein paar Tage in Paris und traf mich mit Costa– seit 1961 treffen wir uns immer wieder, manchmal im Interval von vielen Jahren, doch jedesmal ist es so, als sei gerade ein Tag vergangen. Das passiert mir mit wenigen Menschen und wenn, dann sind es  Künstler. Irgend ein geheimer Draht verbindet uns in einer zeitlosen Wirklichkeit. Als ich ihm in Paris erzählte ich sei auf dem Sprung nach Bombay, meinte er : „Oh, was für ein Zufall, da ist ein Filmfestival im Januar und die haben mich eingeladen. Also, wenn Du auch in Bombay bist, dann schau ich jetzt, ob ich es einrichten kann..“ 
Eine Szene aus seinem letzten Film hatte mich besonders beeindruckt: In „Missing“ galoppiert ein herrenloses, weisses Pferd über einen Platz in Santiago de Chile kurz nach dem Putsch gegen Allende und symbolisiert gleichzeitig die Panik, die Flucht und die Freiheit. 
Also nun werden wir doch noch ein paar Tage in Bombay bleiben. Um meinen Kater zu heilen  ging ich dann mit einem Krug Zitronenwasser hoch auf die Dachterrasse und legte mich in die Sonne. Gleich kamen mir Junes kleine Töchterchen nach und fragten mich neugierig, warum ich mich denn in die Sonne lege. 
"Damit ich ein bisschen braun werde und meine Haare heller."
 "Was? Davon werden die Haare hell?" 
Und schwubbsdiwubbs, schon lagen sie beide ausgestreckt flach wie die Flunder  neben mir.  
Doch mit meinem Sonnenbad setzte, nein legte ich mich voll  ins Fettnäpfchen, dass es nur so spritzte. Auf der selben Etage, genau gegenüber, wohnt eine Brahmanen-Familie. Vater, Mutter, Kind und Grossmama. Brahmanen legen höchsten Wert auf ihre Lebensführung und waren natürlich strikte Vegetarier. Seit die kleine Tochter, die immer mit Junes Kindern spielte, zum ersten mal bei June Fleisch- Curry gegessen hatte, tauchte sie nun regelmässig zum Essen in Junes Küche auf und schlägt sich mit all den fremden Köstlichkeiten den Bauch voll. Und da zeigen die Brahmanen auch ihre unglaubliche Toleranz und liessen sie gewähren – sie war ja noch ein Kind. Doch muss für die Brahmanen-Familie Junes Wohnung der reinste Sündenpfuhl sein: Fleisch essende, Alkohol trinkende Angloinder. 
Die Grossmama, eine elegante Gestalt immer in schneeweisse Witwen- Saris gehüllt, ging jeden Tag in den Tempel und brachte von dort kleine Süssigkeiten und Nüsschen mit, die sie an die Kinder und neuerdings auch an mich verteilte. Die alte Lady hatte eine solch ruhige, liebenswürdige Ausstrahlung, dass ich sie richtig lieb gewonnen hatte und als ich ihr den Shiva zeigte, den ich in mein neues Tagebuch geklebt habe, berührte sie das Bild ganz sachte drei mal mit einer unglaublich anmutigen Geste und führte dann die Hand an ihre Stirne, dort wo sich das dritte Auge befindet,  und sagte bei jeder Berührung:
"Mere Baba“ 


Auf diesem Bild ist Shiva leider schon etwas zerfleddert von der abenteuerlichen Reise, sogar durch einen Bürgerkrieg hab ich ihn getragen - auf dem Weg von Auroville nach Goa...
Kurz: heute morgen, als ich auf der Terrasse im Bikini in der Sonne döste, hörte ich plötzlich einen kleinen Aufschrei und als ich mich aufrichtete, sah ich nur noch den Zipfel von einem weissen Sari um die Ecke wehen... 

Fortsetzung Teil 3 :


http://weisser-elefant.blogspot.de/2011/06/bollywoods-new-wave-filme.html


Samstag, 23. April 2011

REISE INS MORGENLAND 1. Teil

Ein hundsmiserabel schlechter Artikel über Bombay, von einer genauso hochnäsigen wie oberflächlichen Journalistin der Süddeutschen Zeitung geschrieben und dort auch glatt diese Woche im Magazin veröffentlicht... hat mich dermassen verärgert, dass ich nun die Tagebücher meiner ersten Indienreise aus dem Schrank hole.


Dienstag 20. Dezember 1983  - Transit in Damaskus

Die syrische Organisation ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Vielleicht ist es schwerer die Buchstaben von rechts nach links zu lesen – jedenfalls hat der Jumbo nach Bombay 17 Überbuchungen. Resultat: Wir sitzen hier in einer von Benzin durchdünsteten Affenhitze im Flieger fest und warten darauf, dass sich das Problem löst. Jetzt schmeißen sie irgendwie aussortiert 17 bereits angeschnallte Passagiere raus. Das ist nicht die leichteste Prozedur, denn das Gepäck dieser aufmaulenden Leute steht schon längst unter den mindestens 500 Koffern im Gepäckraum. Also muss das alles wieder raus und die 17 müssen ihre Koffer raus suchen, dann wird alles wieder eingeladen. Bin ja mächtig gespannt, wie lange das dauert. Na, jetzt sind sie wenigstens auf die glorreiche Idee gekommen, kurz vor der Vergasung die Klimaanlage an zuwerfen.

Frühmorgens

Von nun an überfliege ich sozusagen östliches Neuland. 1972 kam ich bis Persien, dem Land der fliegenden Teppiche, wo im Traumdekor des Schah Abbas Hotels in Isfahan meine Ehe spektakulär zusammen krachte. Damals, mit Abstand das unglücklichste und verwirrteste Wesen des Universums, hätte ich es mir nicht mal im Traum vorstellen können, dass ich ein paar Jahre später überglücklich hoch über Persien mit einer neuer Liebe im Herzen gen Indien fliegen würde.

Wir haben  einen Fensterplatz ergattert und als ich nach kurzem Dösen die Augen aufmachte, traute ich ihnen kaum:  der ganze Flügel des Jumbos war in metallen-lachsfarbenes Licht getaucht. So schnell wurde es mir noch nie Tag. Aus stockfinsterer Nacht war  plötzlich ein knallroter Streifen am Horizont aufgetaucht, wuchs in leuchtendes Orange wechselnd in eine lavendelfarbene Stufe vor dem nachtblauen Himmel und schon kam die Sonne hoch und nun, nicht mal drei Minuten später ist heller Tag.

Bombay – 21 Dezember

Gelandet und ausgeflippt. Das ist wohl die unbeschreiblichste Stadt auf dem Planeten – nein, es kam mir vor, als sei ich auf einem anderen Planeten gelandet. Im klapprigen gelbschwarzen Taxi mit geöffneten Fenstern endlos lange unterwegs durch Bombays Vororte. Die Strasse gesäumt mit einem schier unübersehbaren Meer ärmlichster Hütten aus grau-schwarzen Hadern – dazwischen tanzten unglaublich farbenfrohe Stoffe an Wäscheleinen Schleiertänze im Wind. Am Strassenrand eine Baustelle. Arbeiterinnen in wundervoll drapierten Saris trugen anmutig wie Königinnen keine Krone auf dem Kopf, sondern hohe Stapel von Bausteinen. Daneben verrichteten Männer ganz ungeniert mit nacktem Hintern ihre Notdurft im Strassengraben, während andere über einer kleinen Feuerstelle eine Mahlzeit zubereiteten. Und um alles herum tobte mit einem Höllenlärm der Verkehr, Millionen von Rikschas, Motorrollern, klapprigen, hochbeladenen Holzkarren, manche von Menschen gezogen, andere von Ochsen mit rotbemalten Hörnern und Fetzen sämtlicher Gerüche Asiens flogen im heissen Fahrtenwind durch ein Fenster des Taxi's herein und beim anderen wieder hinaus. 

Dann beginnen meist verwahrloste Jugenstilbauten die Strasse zu säumen, aus einigen wachsen in den Ritzen im Mauerwerk der früher mal prächtigen Fassaden Bäume, andere werden gerade renoviert und auf den abenteuerlich wackeligen, aus Bambusstangen zusammengeschusterten Baugerüsten turnen ganz lässig die Arbeiter herum, das würde  einem perfekten westlichen Ingenieur glatt den Verstand verlieren lassen. 

22. Dezember
War völlig fertig von der langen Reise und den überwältigenden Eindrücken am ersten Tag. Gestern abend waren wir noch kurz am Chowpatty-Beach. Dort treffen sich die Bombayer nach Sonnenuntergang, um ein paar Brisen kühlerer Luft zu geniessen. Manche rollen sich in ihre Decken zur Nachtruhe ein, andere sitzen diskutierend im Kreise oder verspeisen scharfe Köstlichkeiten aus den bunten Essensständen unter niedrigen, breigefächerten Bäumen. Dazwischen spielende Kinder, Bettler und Gaukler. Die ganze Szenerie in diffuses Licht getaucht, so als hätte man einen Sepia-Filter vor Augen. Wir setzen uns irgendwohin in den Sand und gleich waren in weisse Tücher gewickelte Masseure zurStelle:

"Footmassage?" 
"Headmassage?"

Wir nahmen sie alle. Meiner schüttete  mir völlig unvermutet erst mal  eine halbe Flasche Öl über den Kopf  und fing an in meinen langen Haaren herum zu fuhrwerken und meine Kopfhaut aufs heftigste zu bearbeiten - ich dachte kurz, oh je, wie ich jetzt dann ausschaue mit verwirrten, öligen Haaren - aber das tat unglaublich gut,  so gab ich mich hin. Am Schluss packte er  dann meinen Kopf fest in beide Hände und drehte ihn mit einem heftigen Ruck nach rechts, Dieu, das krachte vielleicht im Gebälk, und bevor ich mich von der Überraschung erholt hatte, drehte er ihn mit dem selben Ruck nach links, das knackte und krachte so laut, dass alle um uns herum zu lachen anfingen und ich glaubte, mein letztes Stündchen habe geschlagen. Aber hinterher fühlte ich,  dass alle Müdigkeit und Anspannung wie weggewischt waren.

PARVATIS SPIEGEL - SYMBOL DER ILLUSION

Auf dem Heimweg sah ich aus dem Taxifenster jede Menge merkwürdige längliche graue Pakete auf den Bürgersteigen liegen und erst beim näheren Hinschauen erkannte ich dann die Umrisse menschlicher Körper, die dort auf der Strasse schliefen. Sie hatten sich so in ihre Decken oder Laken eingewickel, dass nicht einmal der Kopf heraus schaute.  Wie sie unter den Decken atmen können ist ein indisches Mysterium.
Auf dem vierspurigen Overfly heim nach Worli seaface lenkte der Taxifahrer seinen Wagen ganz sachte um eine weisse Kuh, sie zu stören wäre ein Sakrileg. Die hatte es sich mitten auf der Straße gemütlich gemacht, zusammengerollt und schlief friedlich. Wir dann auch, wie die Steine, unter dem an der Decke befestigten Ventilator, gegen dessen Windzug die Moskitos keine Chance hatten an den bayrischen Festtagsbraten heran zu kommen.

Bombay – 23 Dezember 1983

Wir wohnen bei Glens Schwester June, die mit ihrem Mann und zwei kleinen Töchtern in einer geräumigen Drei-Zimmerwohnung im 2 Stock eines drei Etagenhauses ganz nahe an der Strandpromenade von Bombays Stadtviertel Worli-Seaface lebt.
Es waren merkwürdig rythmisch schlagende Geräusche, die mich im Morgengrauen aufweckten. Ich schlüpfte sachte aus dem Bett, um Glen nicht zu wecken, zog mir schnell etwas über und lief auf den Balkon. Unten im Hof bog ein alter Mann um die Ecke, er trug einen dicken Holzstock und schlug mit dem bei jedem vierten Schritt laut auf den Betonfußboden. Hmmm - merkwürdiges Ritual. Glen erklärte mir später, das sei der Gurkha, ein nepalesischer Nachtwächter und sein Klopfen hören etwaige Räuber schon von Weitem und machen sich gleich ängstlich aus dem Staub, denn die Gurkhas,  früher Söldner in englischen Kriegen, sind bekannt für ihre legendäre Tapferkeit.
Im Haus gegenüber auf der selben Etage waren zwei langbezopfte Inderinnen in ihrer Küche mit Tee kochen beschäftigt, neugierig von einer flinken Krähe beobachtet, die vor dem schmiede-eisernen Gitter auf der Fensterbrüstung auf und ab trippelte und manchmal zeternd ihren Schnabel durch die Gitterstäbe streckte. Also wenn die Katzen und Hunde der Stadt meist ziemlich klapprig und verhungernd ausschauen, die quicklebendigen Krähen mit blitzblankem Gefieder machen einen äusserst gesunden Eindruck.
A propos Krähen - dazu muss ich gleich vom Malabar Hill erzählen. Dort oben lebt die Creme der Gesellschaft Bombays mit Blick auf den Chowpatty-Beach und das Halsband der Königin, wie man den Kilometerlangen Marine-Drive- Bogen entlang des arabischen Meers auch nennt, der Nachts im Glanz der vielen Strassenlampen wie eine lange Perlenkette aussieht.
Umso verwunderlicher die Nachbarschaft dort: auf der höchsten Stelle des Hügels stehen sie neben der Parkanlage der hängenden Gärten in dem grössten bewaldeten Gebiet der Millionenstadt verstreut: Die sieben von Geheimnissen um witterten Türme des Schweigens der Parsen. In ihnen überlässt diese uralte Religionsgemeinschaft aus Persien um den Propheten Zaratustra ihre Toten den Geiern und Krähen zum Fraß.
Schon der Gedanke schickt einem die Grusel-Schauer über die Seele – obwohl bei Licht betrachtet ist es wahrscheinlich völlig egal ist, ob einen hinterher die Würmer oder die Krähen fressen... 

 Später, am Gateway von India neben dem berühmten Prunkbau des Taj Mahal- Hotels, kamen sie dann an, Horden kleiner, schmutziger Bettelkinder – einer hatte sich rote Farbe auf den Fuss gemalt, zog weinerliche Grimassen und streckte die Hand nach einem Bakschisch aus. Ich zwinkerte ihm zu, dass ich ihn durchschaut habe. Da guckte er erst ein wenig zweifelnd, dann lachte er lauthals und sprang davon.
Glen kaufte mir eine Tüte mit frisch gerösteten Nüssen – all die kleinen schmutzigen Händchen taten sich rings um mich auf und ich teilte die Nüsse mit ihnen – am Schluss hatte ich noch drei winzige zum selber probieren. Dann bestiegen wir eines der bunten Holzschiffe und fuhren auf die Bombay vorgelagerte Insel Elefanta.

Dort haben Hindu-Priester im 6. oder 7. Jahrhundert Höhlen in den Berg geschlagen und dann herrliche, überdimensionale Statuen der indischen Götterwelt hineingemeisselt. Die meisten sind schwer beschädigt, weil die portugiesischen Soldaten im 18. Jahrhundert ausgerechnet diese herrlichen Höhlen als Exerzierplatz benützten und wahllos durch die Gegend ballerten. Wieviele Geschosse in das Bein von Shiva, dem Schöpfer  des Universums, bis es abfiel? Wieviele  in die Arme von Parvati, seiner Gemahlin? Wirklich entsetzlich, was die Menschen so alles anrichten. Eine Führerin erklärte uns die Symbole, die die Götter in ihren Händen haben. Eines davon fand ich äusserst  interessant - Parvati hält einen Spiegel: der symbolisiert die Illusion.  
Richtig - das hatte ich noch nie entdeckt, denn wenn ich mich im Spiegel anschaue, was ich später zuhause auch sofort ausprobierte,  dann  ist mein rechtes Auge auch rechts, wenn ich mir jedoch ein Gegenüber, zum Beispiel Glen, betrachte, ist sein rechtes Auge von mir aus gesehen auf der linken Seite - und das bedeutet, dass uns andere Menschen nie so sehen wie wir  im Spiegel ausschauen. Auch auf Photografien sehe ich mein rechtes Auge auf der linken Seite....

 
Es dauert sicher ein Weilchen, bis ich den Kulturschock einigermaßen überwunden habe. Eines jedoch weiß ich schon jetzt: wer Bombay nicht gesehen hat, versteht wenig vom Leben auf diesem Planeten. 

Im kleinen Park vor dem Gateway of India, einem massiven Torbogen, extra für die Ankunft von Queen Viktoria gebaut und gerade zwecks Restaurierungsarbeiten von jenen abenteuerlichen Baugerüsten umgeben,


die würden  einem perfekten deutschen Ingenieur glatt den Verstand verlieren lassen
   steht eine Statue von Vivekananda und darunter in ein Metall-Schild geprägt:
„Die Einheit der Vielfalt ist der Plan der Natur.“ 

Fortsetzung:



Dienstag, 19. April 2011

ISAR: - AQUARELL IM FREIEN FLUSS

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AQUARELL IM FREIEN FLUSS IM AKTIONSFORUM PRATERINSEL MÜNCHEN 2006

Inspiriert von unserer Isar, die aus ihrem Kanal-Korsett erlöst, als erster Fluss 
der Welt frei durch eine Millionenstadt fliessen wird, initiierte ich bereits 2006 die erste Ausstellung im Aktionsforum Praterinsel in München              
 Isar.  Blick vom Kabelsteg an der Praterinsel

 
Edda Sörensen: Serie "Aquarell im freien Fluss" zur Renaturierung der Isar




Edda Sörensen: "Aquarell im freien Fluss" - Eisvogel -Kingfisher  -




Edda  Sörensen: Serie "Aquarell im freien Fluss" Eisvogel  kingfisher



Edda  Sörensen: "Aquarell im freien Fluss" - Corneliusbrücke Isar




Edda Sörensen: Serie "Aquarell im freien Fluss"  Hochwasser - kleine Isar

      
Alle Bilder kann man in gewünschter Grösse als Reproduktion - auf Holz aufgezogen in hochwertigster, gestochen scharfen Qualität bestellen.  Limitierte Auflage von 27 auf der Rückseite nummeriert und handsigniert.


Bestellung unter: contact@edda-soerensen.de


Im folgenden sehr liebevoll gemachten Film über meine Ausstellung auf der Praterinsel in München kann man  einige der Isar-Auqarelle sehen:

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                            Ein Film von Björn Sörensen

                                 



Dienstag, 12. April 2011

Die Legende von Pai



Vor langen, langen Jahren, fast verschwunden in der Nacht der Zeit, da glaubten die Ureinwohner Polynesiens auf schwimmenden Inseln zu leben. Die schönste von ihnen, Tahitis Nachbarinsel Moorea in Form eines doppelten Herzens, erweckte natürlich den Neid von Hiro, dem Gott der Diebe. Nach langem Überlegen kam er dann auf die Idee, wie er sich der Insel bemächtigen könnte.

In einer der unvorstellbar dunklen pazifischen Neumondnächten rückte er mit seinen Mannen in Kanus an. Fast lautlos tauchten die Paddel in das kristallklare Wasser der idyllischen Bucht zu Füssen des Vulkans Rotui.

Hiros Männer waren schon dabei ihre langen, dicken Taue aus Kokosnussfasern um den bis zu den Spitzen grün überwucherten Berg  zu schlingen, als Ta `aroa, der Gott aller Götter der Südsee, auf das geheimnisvolle Treiben aufmerksam wurde und Hiros listigen Plan, die Insel zu stehlen und abzuschleppen, durchschaute.

Ta`aroa benachrichtigte auf der Stelle den Helden Pai, bekannt für seine übermenschliche Stärke und seinen selbst die tiefste Nacht durchdringenden Blick. Der lebte auf der Nachbarinsel Tahiti, schoss aus seinem Schlaf hoch,
griff nach seinem Speer und rannte vor sein Haus. Dort holteer weit, weit aus und warf den Speer im hohem Bogen mit solcher Wucht über die Meerstrasse des Mondes, die Tahiti von Moorea trennt, dass er, den Rotui streifend und die Seile von Hiros Mannen kappend, auch noch glatt die Bergspitze des Moua Puta durchbohrte und erst auf der nächsten Insel, Raiatea, einschlug.

Der schwirrende Luftzug des Speeres weckte die Hähne rund um die Bucht und die fingen mitten in der Nacht aus vollem Halse zu krähen an, was die Diebe Hiros in helle Aufregung und hektische Eile versetzte. Sie glaubten erschreckt, dass jeden Moment die Sonne aufgehen würde. Hastig zogen sie an den Seilen, sprangen in die Kanus und paddelten so schnell sie konnten aus der Bucht.
Doch viele der Seile, vom Speer Pais durchschnitten, spannten sich nicht mehr um den Berg, sondern glitten widerstandslos ins Wasser. So gelang es den Flüchtenden nur, ein kleines Stück des Rotui mit sich zu schleppen.

Noch heute zeugt das bizarre Loch unterhalb der Bergspitze des Moua Puta von Pai`s Heldenwurf, der dem schönsten Ankerplatz auf unserem Planeten, da sind sich alle Weltumsegler einig, sein grandioses Aussehen erhielt - der Cook Bai auf Moorea.
Moua Puta auf Moorea - Aquarell von Edda Sörensen

Mittwoch, 6. April 2011

Montag, 4. April 2011

Illustration


Ich frag mich aber, wie die Karikaturisten auf dem Place de la Concorde einen Berliner zeichnen würden: etwa mit Pickelhaube?

Edda:
Auf  dem Washington Square fragte mich mal eine, für was ich mich derzeit interessieren würde. Astrologie hab ich geantwortet und voila, was dabei rauskam. Auch nicht schlecht getroffen, obwohl sie als Zeichenutensil nur einen Kugelschreiber hatte.





Oh, da fällt mir noch Vittorio aus Rom ein. Während unserer  Sitzung am Chinaturm zeichnete er das hier und schenkte es mir dann :o)





Clan der Wissenschaften

Wer im Clan der Wissenschaften
Mitglied wird, muss für nichts haften
Hoch-höher dotiert
Von der Hybris geführt
High-higher geteckt
Und der Restmüll? Versteckt!
Ab ins nächste Projekt
Gen-iale Manipulationen
Sind mit Nobelpreis zu belohnen
Und jetzt sind sie schon am beamen und klonen
Und obendrauf, Du meine Güte
Lauter Professorenhüte
Allein das Atom mit seinen Gefahren
Das giftelt auch noch in 10.000 Jahren
Der kleine Mensch, der Untertan
Dem kreidet man auch alles an
Will der ein bisserl schnell vorbei
Radar und Stop: Die Polizei
Die fehlt im Clan der Wissenschaften
Die müssen für rein gar nichts haften... 


copyright:Edda Sörensen

ELEFANTEN - VERNISSAGE-- ein Film von BJÖRN SÖRENSEN - ALBA TV

 -                                               

                    VERNISSAGE: ELEFANTEN AM GÄRTNERPLATZ IN DER GALERIE ART:IG
                                                              Ein Film von Björn Sörensen

                         

Hier kann man die verschiedenen Reproduktionen lichtresistent auf Holz aufgezogen in der gewünschten Grösse bestellen:

                                            Galerie art:ig 
                   
                          Corneliusstrasse 19  80469 München 
        Tel: 49 (0) 89 55298572  email: info@artig-muenchen.de  





Sonntag, 3. April 2011

VON NIETZSCHE NACH SARDINIEN

      
Eine virtuelle Reise inmitten und nach einer Nietzsche-Debatte im Literatur-Forum von Spiegel-online im Juli/August 2009

Edda
Zitat von h-w Degen
Über Nietzsches Faschismus lässt sich trefflich streiten.... aber seine Aphorismen sind Beweis für und gegen alles.
Und das heißt letzten Endes: Er war des klaren, logosgemäßen, verständlichen Ausdruckes nicht mächtig.

Aber Sie meinen dessen mächtig zu sein? Über Ihre Art die Dinge zu sehen, kann man letztlich nur herzlich lachen.
Vielleicht sollten sie mal wieder einen Blick in die "Unzeitgemässen Betrachtungen" aus Nietzsches Nachlass, insbesondere das Kapitel über die Bildungsphilister (beginnt Seite 157) werfen - vielleicht geht Ihnen ja doch noch ein Licht auf - insbesondere über Ihren Deutschlehrer.

Aljoscha
Zitat von Edda
...Über Ihre Art die Dinge zu sehen, kann man letztlich nur herzlich lachen.

Edda, den Autor des Buches, zu dem Degens erster Link in # 17336 führt, Taureck, kenne ich persönlich. Der würde, wenn er sowas wie „(Nietzsche) war des klaren, logosgemäßen, verständlichen Ausdruckes nicht mächtig“ läse, umgehend seinen Lehrstuhl umtreten und nach Italien auswandern wollen.

ray05
Luschtig wieder, Schappoh ... :)

BerSie
Alle Lust will Ewigkeit!
Zitat von ray05
Luschtig wieder, Schappoh ... :)

Ne! Wo Nietzsche doch jetzt als pathologischer Daueronanist überführt wurde:-)

Edda
Zitat von h-w Degen
Nicht für das 3. Reich aber für einen Teil dessen Ideen.....
lesen Sie mal die Links ( ua. von Löwith, einem der besten Nietzsche-Kenner!)

Würde man Ihrer Art der Logik nur um die nächste Ecke folgen wollen, würde man gleich in einem Verbotsschilderwald landen: BEDENKE! DEINE GEDANKEN KÖNNTEN FOLGEN HABEN - VON HIER AN STRIKTES DENKVERBOT - WIR DENKEN FÜR SIE - SEELIG SIND DIE ARM IM GEISTE.... vielleicht sollten Sie auch noch einen Blick in Orwell wagen, die Ferien sind lang.

ray05
Zitat von BerSie
Ne! Wo Nietzsche doch jetzt als pathologischer Daueronanist überführt wurde:-)

Davon kriegt man also nicht nur Rückenmarkschwund sondern fällt auch aus "dem ziemlich eindeutigen Gedankenwerk der Philosophen." :)

Edda
Zitat von Aljoscha
... umgehend seinen Lehrstuhl umtreten und nach Italien auswandern wollen.

Wollen wir ihn informieren? Vielleicht nimmt er uns ja mit :o)

Aljoscha
Zitat von Edda: Wollen wir ihn informieren? Vielleicht nimmt er uns ja mit :o)

Vorsicht: "nach Italien auswandern" heißt nicht, daß er da irgendwo an EINEM Ort bleibt. Der hat ein Wohnmobil. :)

BerSie
Zitat von ray05:
Davon kriegt man also nicht nur Rückenmarkschwund sondern fällt auch aus "dem ziemlich eindeutigen Gedankenwerk der Philosophen." :)

Puut-put-putt!:-)

( Der Link führt zu einem Harald Schmidt-Sketch mit einer Ente namens Nietzsche hihi)

Edda
Zitat von Aljoscha: Der hat ein Wohnmobil. :)

In der Tat, da wirds eng mit 3 Schreibtischen. Und ich wollte auch noch Ray und Bersie mit auf die Reise nehmen, wegen der göttlichen Komödie. Na gut, ein andermal, und besser organisiert :o)..

BerSie
Zitat von Edda:
Und ich wollte auch noch Ray und bersie mit auf die Reise nehmen...

Ja... danke! Puuh... jetzt könnte ich glatt ein leidendes Pferd umarmen!;)

Aljoscha
Zitat von Edda:
... ich wollte auch noch Ray und bersie mit auf die Reise nehmen...

BerSie verschlampt immer alles. Jetzt sucht er nebenan seine Bruckner-CD. ALLES verschlampt der. Gibt auch ein "Nietzsche-ABC" von Taureck. Mit BerSie würden wir da auch irgendwas verschlampen. "Nietzsche-ABD". "BerSie, wo ist das verdammte C?". Nee, mit dem fahr' ich nicht. :)

ray05
Zitat von Edda:
In der Tat, da wirds eng mit 3 Schreibtischen...:o)

Macht also mindestens 5 Schreibtische. Aus Platzgründen übereinander montiert, freilich. Da bekommt der Begriff "Philosophenturm" eine ganz neue Bedeutung ... :)

Edda
Zitat von BerSie:
Ja... danke! Puuh... jetzt könnte ich glatt ein leidendes Pferd umarmen!;)

Das könnte ja Wunder bewirken, das Pferd gewinnt dann den grossen Preis von Longchamp und wir ziehen gen Italien. Das Pferd kommt natürlich auch mit.

Edda
Zitat von Aljoscha:
….Nee, mit dem fahr' ich nicht. :)

BerSie umarmt doch das Pferd, das dann aus Dankbarkeit den grossen Preis von Longchamp gewinnt und mit dem Preisgeld bekommen wir locker einen Landsitz auf Sardinien mit 4 Meter Schreibtischen, da darf der doch ab und an was verschlampen.

Aljoscha
Zitat von Edda:
... da darf der doch ab und an was verschlampen.

Also shön, ich übe mih in Kompromißbereitshaft. Aber ih warne Euh, es gibt auh ein „Mahiavelli-AB“ von Taurek. Und das sieht shon ziemlih sheiße aus dann.

Edda 
Zitat von Aljoscha: Also shön, ich übe mih in Kompromißbereitshaft.

Auf der Insel soll es ja in den wilden Bergen noch Piraten geben, da schicken wir BerSie 1 mal pro Woche hoch zum Piraten verschlampen. Wenn er gut eingeübt ist, darf er dann an Sylvester Berlusconi verschlampen. Und Du brauchst nicht mehr auf Deine Buchstaben aufpassen wie der Fuchs.

BerSie
Zitat von Edda
... und Du brauchst nicht mehr auf Deine Buchstaben aufpassen wie der Fuchs.

Ist ja schön, was ihr so mit mir vorhabt! Hatte sowieso nichts besseres vor.;)
Und verschlampen ist nicht das richtige Wort. Die Dinge sind eben manchmal nicht an erinnerbaren Orten, wenn andere Zugriff darauf haben.;)

ray05
Zitat von BerSie
I... wenn andere Zugriff darauf haben.;)

In Wahrheit ist es ja so: Wir zwei sollen Zündkerzen wechseln, Zigaretten für alle drehen und die Elefanten dressieren ... :)

Volker
Würde ein zweites Wohnmobil die Lage vielleicht entspannen? Ich könnte da aushelfen :)
Allerdings. Hat das andere eine Hängerkupplung? Meines jedenfalls nicht und der Anhänger mit den Musikern muss doch auch noch mit:
http://www.youtube.com/watch?v=US-d0BnT3i0

BerSie
Zitat von ray05
... die Elefanten dressieren ... :)

... und die beiden baden unbeschwert im Mittelmeer? Nee, nee!

Edda
Zitat von ray05
...und die Elefanten dressieren ... :)

Nein, nein Ray - Du baust doch den futuristischen Philosophenturm - dachte Du steckst längst in Verhandlungen mit dem Spiegel für die Exclusiv-Rechte an unseren monatlich herausgegebenen Sardischen statements.

Aljoscha
Zitat von Volker 
...der Anhänger mit den Musikern muss doch auch noch mit:

Wenn wir schon beim Philosophieren Turmform annehmen wie die Bremer Stadtmusikanten, können wir auch selbst Musik machen. Schlage vor, als erstes studieren wir „Stand Up Comedy“ von der letzten U2-Platte ein. Aus gegebenem Anlaß brüllen wir am Grabmal des Unbekannten Masturbierenden Pennälers „Stop helping God across the road like a little old Lady“ gen Trier.

h-w Degen
Zitat von Edda
Würde man Ihrer Art der Logik nur um die nächste Ecke folgen wollen...

Ach.... Sie reden von der aufgeklärten welt...... wir (Juden und Christen) sehen das anders.
Der Logik folgen heißt das ein Rädchen des Denkens folgerichtig ins andere greift.... und das kann man bei Nietzsche nicht sagen..

(DER GIBT NICHT AUF.... immerhin war jetzt erst mal eine Weile Pause)

Volker
Zitat von Aljoscha 
Wenn wir schon beim Philosophieren Turmform annehmen .......

Ok, gute Idee. Ich kann Klarinette anbieten ... Du singst?

ray05
Zitat von Edda
…. Verhandlungen mit dem Spiegel für die Exclusiv-Rechte an unseren monatlich herausgegebenen Sardischen statements.

Sardonisches Tagebuch:
Organisatorisches. Elefanten schmücken, den Bücherbus einparken (Edda!), den Professor suchen (Aljoscha!), die Band ausnüchtern (alle!). Turm steht, Internetverbindung auch. Erster Streit: Wer darf oben sitzen. Kompromiss: Wer oben sitzt, muss dann auch die Elefanten und Musiker im Auge behalten. Die Band kann keinen Jazz, stelle ich fest, ich will sie heimschicken; sie sagen mir, Judas Priest habe noch keiner heimgeschickt. Auf ganz Sardonien gibt es keinen einzigen Piraten, den BerSie vergessen könnte. Außerdem hat er Volkers Klarinette verlegt. Aller Anfang ist schwer, bzw. ambivalent, wie Aljoscha sagt. Ich dreh mir erstmal eine. Wo ist eigentlich der Tabak?

Edda
Zitat von ray05
. Ich dreh mir erstmal eine. Wo ist eigentlich der Tabak?

Den Bücherbus hab ich ohne Schrammen eingeparkt und stieg dann auf die Leiter, um dem Elefanten eine Hibiskusblüte aufs Ohrwaschl zu malen. Der hielt andächtig still, weil ich den weichsten Pinsel benützte, das mag er gern von weichen Pinseln unter sardischer Sonne gestreichelt zu werden. Doch dann wurde er unruhig: ein Brummen, ein Hubschrauber der Vatikanflotte landet direkt neben dem Philosophenturm und heraus springt ein in rot-lila Kutte gehüllter Degen, stürmt den Bücherbus und schon fliegen die Nietzsche Bände, darunter auch ein Tabakpäckchen, in hohem Bogen raus. Aljoscha, geistesgegenwärtig wie immer, fängt alles auf, wirft Dir mit einem gezielten Seitenpass den Tabak direkt in die Hände und wir alle zusammen werfen den Degen ins Mittelmeer. Den Hubschrauber behalten wir.

Aljoscha
Zitat von Edda ….Den Hubschrauber behalten wir.

Nachmittag. Gewehrschüsse. Mein Vorschlag, nachzuschauen, ob es nicht vielleicht Brigitte Bardot und Jeanne Moreau sein könnten beim Beginn der Sardonischen Revolution, stieß auf taube Ohren. Morgen geplant: Hain durchwandern und über Geschwbl philosophieren. Hoffentlich kann ich überhaupt gehen, da Edda mir doch sehr heftig auf die Zehen stieg. Muß unbedingt KLMO schreiben, daß ich mir Gracqs "Das Ufer der Syrten" unter den Nagel gerissen habe.

Bersie
Persönliche Notizen
Uffh! Brauche Ruhe! Aljoscha referiert den ganzen Tag über Nietzsche und U2 und Edda zerstampft sardische Gebirgsmulche für eine Reptilien-Pastete. Habe mich mit Volkers Klarinetten-Chillum zum chillen in eine küstennahe Cannabisplantage zurückgezogen. Guter Stoff... sehe Gespenster. Armer ray; aber soll er die Elefanten doch selber waschen... war ja seine Idee! Werde versuchen Berlusconi in seiner Villa Certosa mit meinem Tele inflagranti zu erwischen um den Urlaub zu finanzieren.

Edda
Das Rezept für die Salbe mit der man blaue Flecken auf grossen Zehen heilen kann, gab mir heut nachmittag eine alte Sardin, die hier um die Ecke die Gärtnerei betreibt. Man suche von der Sonne ausgetrocknete Gebirgsmulche, zerstampfe und verarbeite sie dann mit Olivenöl zu einer Paste. BerSie dachte wohl, das sei das Abendessen und suchte mit Volker im Schlepptau das Weite. Aljoscha liegt nun bandagiert in der Hängematte und sinniert über die Lethargie der Zivilisation nach und wenn er morgen noch nicht fit ist für die Hainwanderung, dann darf er auf dem Elefanten reiten. Derweilen übt die Band, bereits vom Rotwein beflügelt im Schatten des Philosophenturms, den bisher noch keiner betreten hat.

ray05
Zitat von BerSie
... mit meinem Tele inflagranti zu erwischen um den Urlaub zu finanzieren.

Einer in diesem Verein muß das "irden Praktische" übernehmen. Ich konstruiere den P-Turm um in ein Paternostersystem. Obwohl jetzt jeder jedem viermal in der Minute direkt gegenübersitzt, schreiben wir uns aus Gewohnheit weiterhin E-Mails. Für Eddas bunte Hibiskuselefanten flattern die ersten Angebote rein. Das Bistum Trier braucht neue Wunder und ist gewillt, eine Million für die Tiere zu bezahlen; allerdings soll die Finanzierung über die Vatikanbank erfolgen. Ich sage zu, unter der Bedingung, dass Trier einen Treiber schickt und die Transportkosten übernimmt. Sie sagen zu, sie wüssten schon jemanden.

Die Band sitzt im Bücherbus - ich habe ihnen die Lektüre von "Gitarren zu Pflugscharen" empfohlen.


Edda 
Zitat von ray05
Für Eddas bunte Hibiskuselefanten flattern die ersten Angebote rein....

Gut gemacht Ray - jetzt können wir nur hoffen, dass die Vatikanbank nicht noch vor der Auszahlung Wind davon bekommt, dass wir ihren Hubschrauber gekapert haben. Aber wenn man bedenkt, wie lang es gedauert hat, bis der Papst erfuhr, was die Lefevre-Brüderschaft so alles anstellte, dann brauchen wir uns diesbezüglich ja keine Sorgen zu machen. Aljoscha liegt noch immer mit seinem bandagierten Zeh in der Hängematte, wirkt jedoch schon ziemlich geheilt, denn er sucht bereits mit dem Feldstecher die Gegend nach den bildhübschen weiss gekleideten Revoluzzerinnen ab, die beide Maria heissen.
Die Band hat sich anscheinend die Lektüre zu Herzen genommen, übt nun "Stand up" und ein Hauch U2 ist schon zu vernehmen.
Gerade kam eine mail rein, wo sich Hermesgott grosse Sorgen um unsere Elefanten macht. Schreib ihm doch bitte, dass es sich dabei unmöglich um unsere Elefanten handeln kann, denn die sind weiss, geschmückt und haben Hibiskusblüten auf den Ohrwaschln.


Edda 
Zitat von ray05
Einer in diesem Verein muß das "irden Praktische" übernehmen...

Wenn Du Dich so lieb um Paternoster und die Finanzen kümmerst, koch ich uns was Gutes.
Donnerwetter, das nenn ich eine Küche! Von oben bis unten terracotta-gekachelt mit Blick aus drei Fenstern in die Hügel und aufs Meer. Jede Menge Gewürze in blaubeschrifteten Porzelanbehältern und solide gusseiserne Töpfe und Pfannen. Lammragout provencale ist angesagt. Sogar ein Fernseher steht hier. Während ich Kartoffeln schäle und den Thymian zupfe seh ich auf dem Bildschirm eine rotlila gekleidete Gestalt tropfnass am Strand stehen, die Arme beschwörend gen Himmel gestreckt. Auf die neugierige Frage des Reporters, was er denn hier so treibe antwortet er mit ganz verzückt verdrehten Augen: „Gott wird gewiss ein Einsehen haben und gleich wird sich das Meer teilen, denn ich muss heim nach Trier!“

KLMO
Zitat von ray05
Einer in diesem Verein muß das "irden Praktische" übernehmen....

Der neue Bischof in Trier möchte unter der Prämisse "Fortschritt" neue Zeichen setzen, indem er die alten Wunder mit neuen Wundern ersetzen will, d.h., der Heilige Rock könnte dann durch den Hibiskuselefanten ersetzt werden. Die Vatikanbank bleibt von dem Vorgang insofern verschont, da der Heilige Rock versteigert werden soll. Der Erlös dürfte ihre finanziellen Bedenken eher zerstreuen. Für den tiergerechten Transport soll sich ohne Entgeld bereits die Claudia Roth gemeldet haben.
Vorgänge die eindrucksvoll belegen, dass es in unserem Land wieder aufwärts geht!

ray 05
Zitat von KLMO
...dass es in unserem Land wieder aufwärts geht!

Beeindruckend. Dann ans Werk. :)
Ich habe auch frohe Botschaften: Frau Roth hat Elefanten plus Lieferschein in Lörrach in Empfang genommen und geleitet den Zug persönlich nach Trier. Mensch und Tier wohlauf. Für die Überweisung der Vatikanbank habe ich uns ein Konto auf den McCoy-Islands eingerichtet, die kennen die Vatikanbank, ich mag halt kurze Transaktionswege ... :)
Über Eure Vollmachten unterhalten wir uns nach dem Essen ... Mööönsch, riecht das schon gut ... !

Ach, ehe ich´s vergesse: Die vielen Leute in Overalls an den Küsten, das sind Naturschützer. Die richten uns rund um die Insel ein Seenaturschutzgebiet für bedrohte Hai-Arten ein, gut was? :)

Edda
Zitat ray 05
...bedrohte Hai-Arten ein, gut was? :)
 
Das ist ja perfekt mit den Haien, die halten uns von jetzt an die Touristen vom Hals. Du meinst wohl, alle Elefanten sind nun verkauft? Alle - bis auf einen, schau doch mal von Deinem Turm runter in Richtung der Fächerpalmen. Siehst Du ihn? Das ist unser Haus und Hofelefant, der wird nicht verkauft, ich hab schon dafür gesorgt, dass der nicht mit auf den Lieferschein kommt. Die Gärtnerin von nebenan hat schon einen Narren an ihm gefressen und bringt ihm gerade einen ganzen Schubkarren voll mit knackigem Romasalat. Oh, da kommt ein über und über verstaubtes Wohnmobil die Auffahrt hoch, aus den Fenstern dröhnt: "Born to be wild". Wer mag das wohl sein? Werde wohl mein Ragout mit ein paar Handvoll Brechbohnen verlängern müssen.

Aljoscha
Zitat Edda
... er sucht bereits mit dem Feldstecher die Gegend....

Nacht. Schön hier. Bißchen Palaver, als ich ankündigte, mit dem Helikopter Flugblätter für die Dorfbevölkerung abwerfen zu wollen. Was denn draufstehe. Ich sagte, der Text laute: „Sardonier! Wir wollen keinen Gott mehr, der die Ordnung der Natur stört, der der Vater der Verwirrung ist, der den Menschen in dem Augenblick bewegt, in dem der Mensch Greueltaten begeht; ein solcher Gott läßt uns vor Empörung erschaudern, und wir verbannen ihn für alle Zeiten in die Vergessenheit, aus der der niederträchtige Robespierre ihn wieder hervorholen wollte!“ BerSie murmelte was von Sly & Robbie, aber Ray meinte, er könne Sardonisch, und, naja, so fanden sie raus, daß ich den Marias mitteilte, ich hätte ihre Stellungen am Supramonte entdeckt und daß ich bereit wäre, sie am Steineichenwald zu treffen. Edda muß was in die Reptilien-Pastete getan haben, das mir dann während des Fluges das Gefühl gab, ein Sardonischer Scheibenzüngler zu sein. Über Funk hätte ich dann auch immer nur „Jibbi, Jibbi“ gequakt. Wo die Flugblätter jetzt gelandet sind, weiß ich auch nicht. Blöd. Kurz vor Mitternacht spielten wir noch die lustige Leichensynode nach. Da mir mein Zeh wieder schmerzte, spielte ich den exhumierten Papst Formosus.

Edda

Morgengrauen – alle schlafen. Grillen zirpen mit sieben Millionen Vogelstimmen um die Wette und die ersten Sonnenstrahlen beginnen einen grandiosen Farbspektakel auf den Himmel und das ruhige, spiegelglatte Meer zu malen. Vom tiefsten Lila über lavendelblau ins intensiv rosa-orange und dann kommt sie selbst aus dem Meer gestiegen - ein frischgebadeter Ball aus purem Gold.
Im Wohnmobil vor dem Küchenfenster rumort es, die Tür wird aufgestossen und heraus torkelt BerSie mit glasigem Blick und wirren Haaren, hinter seinem Ohr steckt ein Marihuanablatt. Der Professor hatte ihn gestern auf dem Weg hierher in der Nähe einer Cannabisplantage aufgegabelt. Einen Fetzensonnenbrand hatte er im Gesicht, einen Riesenstrauss Cannabis in einer Hand und die andere zum Autostop erhoben, so war er selig grinsend am Rand des Camino gestanden. Kaum an Bord durchsuchte er die CDs:
„Yeah – Steppenwolf“

drehte voll auf und sank dann auf des Professors Bett, aus dem ihn gestern abend keine zehn Pferde mehr heraus gebracht hätten. Nicht mal ein Elefant.

Nachtrag 
Nun trinkt BerSie seinen Kaffee und ich erzähle ihm zerknirscht, was meine Reptilienpaste bei Aljoscha alles ausgelöst hat.
„Quatsch Reptilienpaste – der will Dir doch nur ein schlechtes Gewissen verpassen, damit Du ihn weiter umsorgst - er hat sich über meinen Cannabisvorrat hergemacht und stürmte dann von einer Spontanidee beflügelt in den Turm. Ich hörte noch irgendwas über Flugblätter und dann den Drucker auf Volltouren. Und irgendwann glaub ich- oder hab ichs geträumt?- den Hubschrauber. Dann bin ich endgültig weggetreten. Ein toller Stoff ist das, die Plantage gehört Berlusconi, Spezialanbau für den nächsten G8 Gipfel.“

Hier versandelt das sardonische Tagebuch, was die Herren betrifft, denn die Protagonisten wandten sich wieder der äusserst interessanten anfänglichen Diskussion um Nietzsche zu.
easystreets
Ach, herrje... die Nietzsche-Runde. Im Literatur-Thread geht es bisweilen zu wie auf dem Deck eines Schlachtkreuzers. Der dann ins Trockendock muß für Monate und Jahre, um instandgesetzt zu werden. Nietzsche ist insofern ein Problembereich, denn wie will man aus der letzten Ableitung noch ableiten, wie aus der Quintessenz noch ein Destillat bilden? Zudem reicht bei einem Nietzsche Buch schon der Klappentext oder die Einleitung, und man hat zu tun; je nach Bildungsgrad.

Edda
Zitat easystreets: wie will man aus der letzten Ableitung noch ableiten?

Wie wahr - neidlos anerkannt:

Zitat von Aljoscha
Leben, gelingendes Leben, ist ein Erfolg der Kunst. Von diesem Gedanken hat Nietzsche niemals gelassen...
... Was Nietzsche ablehnt, ist das aggressiv organisierte Ressentiment, das ein schlechtes Gewissen andreht, die Moral als Vampirismus...

An ray/Aljoscha:
Der Aufenthalt auf Sardinien ist Euch anscheinend wirklich bestens bekommen, um nun mit solch wunderbar zu lesenden, wahrhaftigen Gedanken zu Nietzsches Intentionen das Forum zu bereichern. Deshalb trage ich es Euch nicht nach, dass Ihr mit dem Hubschrauber nach Rom und dort First class weiter auf die McCoy-Islands geflogen seid, das Geld der Vatikanbank abgehoben und eine Yacht gechartert habt, mit der Ihr nun mit Euren Ladys eine Kreuzfahrt rund um die Jungferninseln macht. Eine wunderbare Zeit voll brillianter Gedankengänge wünscht Euch
Edda

PS: Da der Philosophenturm nun ein wenig traurig und verwaist dasteht, hab ich die Kinder des Dorfes am Sonntag nachmittag für eine Runde Paternoster eingeladen, in der Hoffnung, dass einige Eurer originellen Gedanken bei ihnen hängenbleiben :o).


Na wenigstens noch ein Lebenszeichen:
Aljoscha
Kreuzfahrt mit den Ladies um die Jungferninseln, sagt die Edda. Dabei bin ich beim Verfolgen der Marien nur in diesem surrealen Café gelandet, in dem das Befremdende und Ungewisse von der Liebe nicht zu trennen ist.


Edda 
Von ray jedoch keine Spur - die werden ihn doch nicht reingelegt haben dort auf der Insel-Bank? Nein, dazu ist er  zu clever - aber vorsichtshalber hab ich nun Dallmayr mein Aquarell: Airavata, der weisse Elefant für ihre Teedosen vorgeschlagen. Das würde doch hervorragend passen: der schönste Elefant für den besten Tee.  Vielleicht klappt das ja, die Geldreserven neigen sich dem Ende zu.


Weisser Elefant - Original von Edda Sörensen

INTERMEZZO:
Wer sich für die Nietzsche Diskussion interessiert, hier die Zusammenfassung der interessantesten Passagen – gleich unter Bob Dylan:

http://letztelockerung.blogspot.com/search/label/Diskussion




Hab gerade eine mail bekommen - es kündigt sich Besuch an:


Stefanie
Buch nächsten Flug nach Sardinien. Nachdem Wortgeklapper bei Anne Will bin ich reif für die >Insel.
    
Edda

Oh - und bitte bring eine Tasche voll C's mit, BerSie hat sie schon wieder verschlampt und Aljoscha, der Meister der geschliffenen Schrift mit Inhalt ist ganz verzweifelt, weil die neuen Flugblätter ohne C's einfach unmöglich ausschauen :o) 
Er ist zwar schon wieder ziemlich lange unterwegs, denn mangels C's  sucht er nun erst mal und das schon ziemlich lange die Gegend ab, um  die richtigen Marias zu treffen, damit es mit der Revolution vorangeht. Aber mit seinem bandagiertem Zeh dauert das natürlich, er muss Ruhepausen einlegen.


Stefanie 
Na ja, er schreibt ja keine Flu(c)hblätter hoffe ich. Vielleicht kann man BerSie überreden, einen anderen Buchstaben zu verlieren?    
  
Edda
Das kann man bei Aljoscha nie wissen, den findet man an sämtlichen Randgebieten des menschlichen Geistes auf Forschungsreise, so tigert er manchmal  auch an den Ufern des Styx auf und ab, denn er arbeitet neben dem Revolutionsprojekt an einer... philosophischen Abhandlung dessen, was wir als Horror bezeichnen. 

Er ist auch äusserst  empfindlich, bei ihm muss man schon jedes Wort auf die Goldwaage legen und ich hab das Talent, ihm auf den grossen Zehen zu steigen -  was hat er auch für einen grossen Zehen, der reicht locker von hier nach Passau... :o)

Stefanie

Von Sardinien in die Unterwelt- was für eine Reise. Da kann man schon mehr verlieren als nur ein C, und sei es das hohe.
 

Edda
Zitat Stefanie: sei es das hohe..... 
Ja, er erinnert mich an: Einer der auszug, das Fürchten zu lernen. 
Gute Idee mit dem hohen C. Frag doch den Ebi ob er Dir ein paar mit auf die Reise gibt und wir schenken dem Aljoscha eines. Vielleicht kann er es ja benützen. Wenn die schon Gläser sprengen können schaffen sie es vielleicht auch, Geister zu verjagen, wenn die ihm zu nah auf die Pelle rücken  Die anderen verwahren wir sorgfältig, damit wir immer eine Reserve haben, falls Bersie...
Was BerSie betrifft: der lauerte doch in Berlusconis Privat-Cannabis-Plantage mit dem Teleobjektiv hinter den mannshohen Pflanzen und rauchte auch ein paar Blätter, um sich die Zeit .zu vertreiben. Stell Dir vor: Er hat er ihn doch glatt erwischt, den Berlusconi - in flagranti. Zwar ist das Video wegen Bersies Geisteszustand etwas verwackelt (hab`s auf meiner facebook-Seite eingestellt :o) und er verschlampte beim überspielen oberdrein jene Technik, die ich unbedingt bräuchte, um es auch hier reinzusetzen - er ist jetzt völlig ausgenüchtert  und auf der Suche... bin ja gespannt was er findet. 
Also wenn Du keine C's mitbringen kannst, wie siehts mit der Technik aus? Wenns zu kompliziert ist, vergess es,  Du bist auch ohne Technik willkommen :o)  Rays  Schreibtisch im Philosophenturm ist ja schon eine Weile verwaist, den  kannst Du haben. Ray treibt sich sicherlich auf den Mac Coy Inseln rum.  Ha, der wird  sich wundern, falls er wieder aufkreuzt - er müsste es doch wissen: Wer zu spät kommt, den bestraft der Turm :o)


Stefanie
Zitat Edda: ...Frag doch den Ebi ob er Dir ein paar mit auf die Reise gibt..  

Also Ebi gibt die hohen C's ungern ab- er meint, er bräuchte immer wieder eines. Und Aljoscha soll sich etwas anderes suchen und BerSie kann es ja mal mit einem b versuchen als er-Sie. (Ja was nun???)

Edda
Zitat Stefanie: Ja was nun???  
Gute Frage, Stefanie - von wegen Urlaub -  hier geht jetzt urplötzlich der Punk ab: 3 Flugzeugträger kreuzen vor der Küste - Alle zehn Minuten startet mit Höllenlärm ein Jet gen Süd-Osten, die Haie haben sich verschreckt in die kleine Bucht unterhalb des Philosophenturms gerettet, Vögelschwärme flattern aufgescheucht unter die Fächer der Palmen und der Elefant trompetet empört. Muss unbedingt  nach dem Rechten sehen. Melde mich wieder.




Edda
Oh je, ich dachte an ein Manöver - nein - schon wieder ein Krieg! Hab erst mal den Elefanten beruhigt, war nicht das einfachste, dann die Band ausgenüchtert und ihnen einen Auftrag gegeben und  die völlig eingeschüchterten Bewohner des Dorfes  in den grössten Raum des Landsitzes eingeladen. An den Aussenmauern hatten inzwischen die Bandmitglieder - endlich auf Zack und wirklich fleissig, da schau her  - schon einen Teil des Auftrags erfüllt: Alle verfügbaren Lautsprecher, das sind nicht wenige, anmontiert, verkabelt, die grösstmögliche Lautstärke eingestellt und gen Süd-Osten ausgerichtet.  Jetzt können sie  loslegen:


http://www.youtube.com/watch?v=r4p8qxGbpOk 
 Musik ist wie Magie. Es hat funktioniert! Die Piloten drehten in der Luft um und landeten wieder. Jetzt singen alle Soldaten auf den Flugzeugträgern lauthalt mit. Gaddafi in seiner prunkvolltsten Kostümierung reitet in seinem Schnellboot, angefüllt mit Rebellen, die alle Blumen in ihren Gewehrläufen haben, auf den Wellen der grossen Syrte. Und auch sie singen: All you need is love - auf arabisch und dazwischen springen übermütige Delphine die gesamte Kür, die sie draufhaben.. 


Und nicht genug der guten Nachrichten: Gerade kam die mail rein: Dallmayr hat das copyright für mein Elefantenbild erworben und mir gleich den Link zu der Teeschmuckdose mitgeschickt! Juhui!

http://www.dallmayr-versand.de/epages/Dallmayr.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/Dallmayr/Products/6382